Neue Technologien verändern die Art, wie wir an der Börse investieren.
Neue Technologien verändern die Art, wie wir an der Börse investieren. iStock / K. Onyshchuk

Aktieninvestment

Portfolios im Stresstest

Investoren benötigen gerade in volatilen Börsenzeiten gute Nerven, doch stark schwankende Märkte eröffnen auch Chancen. Institutionelle Anleger stärken daher die Resilienz, nutzen neue KI-Methoden zur Titelauswahl und zeigen verstärkt die Bereitschaft, geopolitische Risiken als systemische Variable einzupreisen.

JB
· 2025
Erschienen in

Fokus Finanzen

am 15. Oktober 2025 in „Frankfurter Allgemeine Zeitung“
Wer investiert, beschäftigt sich mit Risiken: Börsennotierte Unternehmen und Fonds und Vermögensberater berichten regelmäßig darüber, was passieren kann. Und schon lange – so kommt es uns vor – lesen wir über die gleichen Klagen: Die Unsicherheiten der...

Volatile Märkte fordern Anleger heraus. Die Vermögensverwalter von Schroders zeigen in einer aktuellen Umfrage, wie stark das Thema Widerstandsfähigkeit institutionelle Investoren beschäftigt. Von weltweit rund 1.000 Befragten, die zusammen über 67 Billionen US-Dollar verwalten, nennen 55 Prozent die Stärkung der Resilienz ihres Portfolios als oberste Priorität für die nächsten zwölf Monate. Rund 80 Prozent wollen dazu verstärkt auf aktives Management setzen, um Chancen in turbulenten Märkten zu nutzen. Besonders gefragt sind Strategien, die Diversifikation über Anlageklassen und Regionen ausweiten und zugleich neue Renditequellen erschließen. Die Umfrage macht deutlich: Volatilität wird nicht länger nur als Risiko verstanden, sondern auch als Motor für gezielte Opportunitäten – vorausgesetzt, Anleger halten Disziplin und einen klaren strategischen Rahmen ein.

Aktieninvestment: KI als Anlageinstrument

Immer stärker verändern auch neue Technologien wie etwa künstliche Intelligenz (KI) die Strategie bei Aktieninvestments. Die Erfahrungen zeigen, dass sich die Trefferquote bei der Aktienauswahl verbessert, wenn mehrere Machine-Learning-Modelle kombiniert und ihre Vorhersagen je nach Marktlage unterschiedlich stark gewichtet werden. Grundlage dafür ist der sogenannte Information Coefficient, der misst, wie verlässlich ein Signal ist. Backtests ergaben: Dynamische Gewichtung schlägt starre Ansätze. Praktisch heißt das: KI-gestützte Screening-Tools können nicht nur klassische Daten wie Gewinnwachstum oder Kurs-Charts auswerten, sondern auch flexibel auf neue Informationen reagieren. Für Investoren entsteht damit ein Werkzeug, das hilft, Chancen und Risiken in turbulenten Marktphasen schneller zu erkennen. So wird aus Datenanalyse schnell ein Baustein für robustere Portfolios. 

Unsicherer Ausblick

Wie es bis zum Ende des Jahres an den Aktienmärkten weitergeht, hängt aber nicht nur von neuen Instrumenten oder der Analyse von Unternehmenskennzahlen ab. Laut dem aktuellen Ausblick von Blackrock aus dem September 2025 sind Investoren weiterhin mit erheblicher Unsicherheit konfrontiert: Inflation, Zinsentwicklung und geopolitische Risiken bleiben zentrale Einflussfaktoren. Gleichzeitig sieht das Unternehmen Chancen insbesondere bei Technologien wie KI, in Energieinfrastruktur und selektiven Gesundheitswerten. 

Für Anleger heißt das: Wer geopolitische Risiken einpreist, zugleich aber selektiv in Zukunftsfelder investiert, kann trotz volatiler Rahmenbedingungen auf überdurchschnittliche Renditen hoffen. Geduld und kluge Diversifikation bleiben aber das Gebot der Stunde.

 

Langfristiges Aktieninvestment ist ein Geduldsspiel mit attraktiven Chancen.