Wie unterscheiden sich verschiedene Indizes und ETFs für Schwellenländer – etwa in Bezug auf Länder-, Branchen- oder Marktkapitalisierungsschwerpunkte?
Wir verwenden in unseren Schwellenländer-Indizes den Indexanbieter FTSE statt MSCI. Obwohl die Zusammensetzung der Indizes beider Anbieter recht ähnlich ist, gibt es bei der Länderklassifikation kleinere Unterschiede. So stuft FTSE Korea und Polen beispielsweise als entwickelte Länder ein, wohingegen MSCI diese als Schwellenländer einstuft. Andererseits hat FTSE beschlossen, Vietnam im Jahr 2026 als Schwellenland einzustufen, wodurch dieses in den Index aufrücken wird.
Zudem erfreuen sich, wie bereits erwähnt, vor allem Ex-China-Strategien großer Beliebtheit bei Investoren. Aber auch ETFs, die nur auf die Wachstumstreiber in Asien setzen, verzeichnen steigende Mittelzuflüsse.
Lohnt sich ein Investment in Schwellenländer jetzt – oder ist „der Zug schon abgefahren“? Wie schätzen Sie das Chancen-Risiko-Verhältnis aus heutiger Sicht ein?
Obwohl viele Schwellenländer in diesem Jahr eine beeindruckende Entwicklung hingelegt haben, sind viele Aktien aus Schwellenländern noch immer günstiger bewertet als ihre Pendants aus Industrieländern. Zudem sorgen die strukturellen Wachstumstreiber der technologischen Transformation, demografischen Entwicklung und Neugestaltung globaler Lieferketten für langfristiges Wachstumspotenzial. Kurzfristige Schwankungen gehören jedoch auch in dem Bereich der Schwellenländer dazu. Viele von ihnen weisen weiterhin individuelle Währungs-, politische oder regulatorische Risiken auf. Diese sollten bei einem langfristigen Anlagehorizont jedoch weniger stark ins Gewicht fallen.
Was könnte Sie in den nächsten zwölf Monaten bei Emerging Markets ETFs am meisten überraschen – positiv wie negativ?
Ich wäre negativ überrascht, wenn die US-Notenbank beschließen würde, die Zinsen früher als vom Markt erwartet anzuheben. Dieses Szenario könnte Kapitalabflüsse aus Schwellenländern auslösen und die Volatilität von ETFs aus Schwellenländern erhöhen. Ich wäre positiv überrascht, wenn der Konsum in China deutlich anziehen und zu einer wichtigen Säule des Wirtschaftswachstums werden würde. Umgekehrtes Bild in Brasilien: Ich wäre positiv überrascht, wenn sich die Inflation in der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas schnell beruhigen würde. Dieser Schluss fasst es schön zusammen. Schwellenländer entwickeln sich sehr heterogen.
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* Quelle: RHS-Economic Intelligence Unit, basierend auf Asien ohne Japan.