Aktienkurse-Statistik

Diversifikation

Geduld und Streuung sind gefragt

Der Iran-Krieg befeuert Energiepreise und lässt die Inflation wieder aufflammen. Der Konflikt und die mit der Blockade der Straße von Hormus einhergehende Energieknappheit verunsichert die Wirtschaft rund um den Globus. Das geht auch an den Aktienmärkten nicht spurlos vorbei – die Börsen geraten ins Stocken, Vermögen schrumpfen. Wie bewahren Investoren jetzt ihren Wohlstand?

Michael Gneuss
Von Michael Gneuss Katharina Lehmann
· 2026
Erschienen in

Fokus Finanzen

am 15. April 2026 in „Frankfurter Allgemeine Zeitung“
In den vergangenen Jahren ist „Normalität“ immer mehr zu einem Sehnsuchtsbegriff geworden. Der Umgang mit Krisen ist inzwischen fast ein Dauerzustand. Die Pandemie, der Krieg in der Ukraine – und nun der Krieg im Iran. Wir erleben, wie Bomben und Drohnen Menschenleben kosten...

Energie und Rohstoffe werden knapper. Die Inflation, die gerade gezähmt schien, klettert erneut empor, angetrieben durch explodierende Preise für Öl und Gas. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat dementsprechend ihre Prognosen angepasst und rechnet nun für 2026 mit einer Teuerungsrate von 2,6 Prozent – 0,7 Prozentpunkte mehr, als noch im Februar erwartet worden war. Noch spielen die großen Notenbanken weltweit zwar auf Zeit und zögern mit der Anpassung der Leitzinsen. Die Frage ist aber, wie lange das so bleiben kann. Experten bereiten die Märkte bereits auf eine neuerliche Tendenz zu Zinsanstiegen vor, falls der Konflikt nicht endet. Steigende Zinsen sind bekanntlich nicht das, was Unternehmen und Aktienmärkte sich wünschen. Dabei stockt es in der deutschen Wirtschaft schon jetzt: Das ifo-Institut rechnet aufgrund des Iran-Kriegs und des damit einhergehenden Energiepreisschocks nur noch mit einem Wachstum von 0,6 Prozent für 2026 – ursprünglich hatte das Wirtschaftsforschungsinstitut ein BIP-Wachstum von 1,2 Prozent vorausgesagt. Langjährige Investoren wissen: Geopolitische Stürme wie der Ukraine- oder der Iran-Krieg, aber auch weltweite Verwerfungen wie die Coronapandemie oder die Finanzkrise zwingen zur Vorsicht, rütteln sie doch das Portfolio ordentlich durch. Was hilft, sind Geduld, eine breite Streuung über alle Anlageklassen hinweg – und der Glaube daran, dass auch wieder bessere Zeiten kommen. 

Diversifikation ist Trumpf

Klar ist und bleibt jedoch auch: Beim Vermögensaufbau führt kein Weg an Aktien vorbei. Das wissen auch immer mehr Deutsche. 14,1 Millionen Bundesbürger besaßen im vergangenen Jahr Aktien oder Aktienfonds, hat das deutsche Aktieninstitut ermittelt –das sind zwei Millionen mehr als noch 2024 und damit Rekord. Jede fünfte Person ab 14 Jahren investierte direkt oder indirekt am Kapitalmarkt. Besonders markant wuchs die Gruppe der Unter-40-Jährigen auf 4,9 Millionen, ein Plus von 1,2 Millionen. Auch die Gruppe der Anlegerinnen legte spürbar zu ebenso wie Menschen in den neuen Bundesländern. Auch eine repräsentative HDI-Studie unter 3.739 Berufstätigen unterstreicht diesen Trend: 28 Prozent bewerteten börsennotierte Wertpapiere als geeignet für die Altersabsicherung – ein Anstieg um nahezu 50 Prozent seit 2020. Lediglich das Eigenheim übertrifft mit 44 Prozent diesen Wert. Mehr als die Hälfte der Befragten, nämlich 57 Prozent, rechnen mit überlegenen Renditen im Vergleich zu Zinsanlagen. „Die Ergebnisse belegen die anhaltende Stärkung aktienbasierter Konzepte“, erläutert HDI-Vorstand Holm Diez. Erstmals erfasst wurden in der Studie Kryptowährungen, die zwar insgesamt mit vier Prozent nur eine Nebenrolle spielen, doch bei den Unter-40-Jährigen für 26 Prozent als rentabel gelten.

Schutz durch Edelmetalle und Anleihen; Rendite durch alternative Investments

Doch in einem ordentlich diversifizierten Depot muss die Streuung über Aktien hinausreichen. Edelmetalle wie Gold, das Ende Januar mit Preisen von rund 5.600 Dollar je Feinunze ein neues Hoch markierte, oder Silber dienen als Inflationsabsicherung – sowohl physisch als auch über ETFs. Anleihen verleihen darüber hinaus Stabilität: Deutsche Bundeswertpapiere bieten Sicherheit, während Unternehmensanleihen im High-Yield-Segment bis zu fünf Prozent abwerfen. Eine kluge Mischung aus Kurz- und Langlaufzeit sichert zudem planbare Cashflows. Eine Studie der Union Investment offenbart das Potenzial alternativer Anlagen. Private Equity, Private Debt, private Infrastruktur und Immobilien optimieren Multi-Asset-Portfolios: So zeigte sich in einer Beispielrechnung, dass die Rendite bei einer Beimischung alternativer Anlagen von 17 Prozent um 1,5 Prozentpunkte höher lag und die Volatilität um zwei Punkte senken konnte – ein Segen auch für private Investoren über Fonds. 

Betongold unter Druck

Daneben bleiben Immobilien als klassisches „Betongold“ nach wie vor eine beliebte Anlageklasse. Doch der deutsche Markt konsolidiert sich: 2025 belief sich das Transaktionsvolumen auf 34 Milliarden Euro, für 2026 erwarten Experten Preisanstiege von 3 bis 3,5 Prozent im Wohnsektor. Wohnimmobilien liefern stabile Renditen von 2,8 Prozent in A-Lagen, bis 3,01 Prozent in B-Lagen und 3,24 Prozent in Universitätsstädten, so die „Die 5-%-Studie 2025“ des Beratungshauses Bulwiengesa. Beliebt bei Anlegern, die lieber kleinere Teile ihres Vermögens in Immobilien stecken möchten, sind auch offene Immobilienfonds: Traditionell liefern sie Renditen von drei bis vier Prozent; in den vergangenen Jahren allerdings fielen die Renditen aufgrund der teilweise höheren Zinsen sowie der Immobilienmarktkrise deutlich geringer aus, lagen im Schnitt nur bei etwa 1,2 Prozent. Erfahrene Investoren prüfen derzeit ihr Portfolio auf Krisenfestigkeit. Eine Eskalation im Iran-Konflikt könnte Ölpreise weiter antreiben und die EZB zu einer 25-Basispunkte-Erhöhung nötigen. Anzunehmen ist: Die Volatilität an den Märkten wird zunehmen, die Wirtschaft hat es weiter schwer. Absichern lassen sich solche geopolitischen Beben freilich nicht. Sicherlich gibt es Finanzmarktinstrumente zur Absicherung des Portfolios. Doch die erfordern viel Know-how – und auch Geld, was am Ende zulasten der Rendite geht. Was sich aber durchaus absichern lässt, sind unsere persönlichen Risiken. So banal es auch erscheinen mag, für eine gute Zukunft brauchen wir vor allem unsere Gesundheit und einen klaren Verstand, der uns hilft, Krisen klar zu erfassen und zu analysieren und Lösungen zu entwickeln, um ihnen zu trotzen. Eine individuell auf unsere Bedürfnisse zugeschnittene Krankenversicherung und eine gute Berufsunfähigkeitsversicherung geben uns die Sicherheit, dass wir auch morgen noch die Herausforderungen der Zeit bewältigen können.

 

14,1 Millionen Deutsche besaßen im vergangenen Jahr Aktien oder Aktienfonds.

Für 2026 erwarten Experten Preisanstiege von 3 bis 3,5 Prozent bei Wohnimmobilien.