ETFs sind kein Schutzschild gegen fallende Kurse. Sie spiegeln den Markt, und der kann im Crash auch zweistellig nachgeben. Ihre Stärke liegt deshalb nicht in Sicherheit, sondern in der Struktur der Anlageklasse, also breite Diversifikation, niedrige Kosten und klare Regelwerke. Genau diese Kombination macht ETFs auch 2025 zum bevorzugten Werkzeug. Bis Ende September 2025 sind allein in Deutschland 378 Milliarden Euro in Aktien-ETFs geflossen. Das sind 19 Prozent mehr als zu Jahresbeginn (319 Milliarden Euro). Dies ist ein klares Signal, dass Investoren trotz Nervosität investiert bleiben. Europaweit ist ein zweiter Trend sichtbar: Anleger schichten regional um. Bis August sammelten Europa-ETFs einen Rekordwert von 39,4 Milliarden Euro ein, während US-ETFs deutlich schwächer wuchsen. Die Botschaft dahinter: Wer die Crash-Debatte ernst nimmt, reduziert Klumpenrisiken nicht durch Ausstieg, sondern durch Streuung. Anbieter bedienen das mit defensiveren Indexbausteinen wie Qualitäts- oder Dividenden-ETFs sowie mit kurz laufenden Renten- und Geldmarkt-ETFs für taktische Liquidität.
Volatilität in Kauf nehmen
Denn klar muss sein: Der Reflex, vor einem Einbruch auszusteigen und bei Tiefkursen wieder einzusteigen, ist psychologisch verständlich, praktisch aber selten erfolgreich. Der Grund: Das Tief erkennt man fast nie in Echtzeit. Studien weisen darauf hin, dass starke Börsentage häufig inmitten von schlechten Phasen liegen. Eine Untersuchung des Investment-Research-Unternehmens AllianceBernstein etwa zeigt, wie teuer Timing werden kann: Wer die fünf besten Handelstage des ersten Halbjahres 2025 verpasst hatte, verlor damit gleich einen Großteil der Jahresrendite. Für ETF-Investoren folgt daraus ein nüchterner Profi-Ansatz: investiert bleiben, Volatilität aushalten und das Portfolio anpassen, wenn sich die ursprüngliche Vermögensaufteilung geändert hat. Timing kann funktionieren, aber nur, wenn man zweifach trifft: Ausstieg vor dem Absturz und Einstieg nahe dem Tief. Beides gleichzeitig gelingt selbst den besten Profis selten.
Aktive Strategien wie ETFs nutzen
Wer dennoch auf Produkte setzen möchte, die im Bärenmarkt steigen, kann in inverse ETFs investieren, zum Beispiel auf den DAX oder S&P 500. Diese Vehikel liefern die tägliche inverse Indexbewegung. Durch tägliche Neugewichtung und Derivatekosten können sich die Ergebnisse über mehrere Wochen besonders in zähen Seitwärtsmärkten deutlich vom erwarteten „Spiegelbild“ entfernen. Inverse ETFs sind deshalb höchstens als eng begrenzte, kurzfristige Absicherung geeignet, aber nicht als Dauerbaustein. Wer nicht „short“ gehen will, findet in aktiven ETFs eine Zwischenlösung. Das Segment ist schon länger keine Nische mehr: Laut Morningstar lagen die Assets aktiver ETFs in Europa im August 2025 bei 62,4 Milliarden Euro; allein die Zuflüsse von Januar bis August belaufen sich auf 13,4 Milliarden Euro. Ihr Vorteil für Profis: ETF-Transparenz und Intraday-Handel, kombiniert mit gezielter Titelselektion oder Optimierungen innerhalb eines bestehenden Indexrahmens. Besonders gefragt sind 2025 aktive Renten-ETFs, weil Manager Kredit- und Liquiditätsrisiken feiner steuern können als ein starrer Index.