Da festverzinsliche Anleihen wie beispielsweise Bundesschatzbriefe über Jahrzehnte hinweg verlässliche Renditegaranten gewesen sind, stehen sie besonders bei sicherheitsorientierten Anlegern ganz oben auf dem Wunschzettel. Selbst wenn die zehnjährige Bundesanleihe aktuell nur noch mit knapp 0,3 Prozent rentiert, ändert das wenig an der Nachfrage. Bei einer angenommenen Inflationsrate von zwei Prozent erzielt der Anleger dann einen Realverlust von 1,8 Prozent abgesehen von Kursveränderungen bei einem Verkauf vor dem Ende der Laufzeit einer Anleihe. Nach einer Studie des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI) verzeichneten dennoch allein Rentenfonds in Deutschland im vergangenen Jahr Mittelzuflüsse in Höhe von 20,7 Milliarden Euro – 2,5 Milliarden Euro mehr als Aktienfonds.
Festverzinsliche Wertpapiere: Regelmäßige Zinszahlungen über einen langen Zeitraum
Privatkunden investieren in Anleihen, weil sie eine Geldanlage über lange Zeiträume bevorzugen und bis zum Ende ihrer Laufzeit nicht weiter beachtet werden müssen. In der einfachsten Form gehören sie zu den Wertpapieren, die dem Käufer regelmäßige feste Zinszahlungen versprechen. Weiterer Vorteil: Die Kursschwankungen von Anleihen sind grundsätzlich geringer als die von Aktien. Das für den Erwerb wichtigste Kriterium ist die Qualität des herausgebenden Emittenten. Beispielsweise solide und niedrig verschuldete Staaten oder Bundesländer. Konzerne begeben Anleihen, um für große Investitionen Geld am Kapitalmarkt einzusammeln. Anleihen gehören für eine Unternehmung zu den klassischen Mitteln der Aufnahme von Fremdkapital. Sie verbriefen einen Rückzahlungsanspruch und Zinszahlungen in bestimmter Höhe. Während ein Investor durch den Kauf von Aktien Miteigentümer des Unternehmens wird, sind die Inhaber von Anleihen Gläubiger.
Die Nominalverzinsung ist abhängig von der Bonität des jeweiligen Kreditgebers. Je schlechter die wirtschaftliche Position des Emittenten ist, um so höhere Zinsen erhält der Käufer als Ausgleich für sein Risiko. Kupons von Staatsanleihen bewegen sich in wirtschaftlichen stabilen Regionen zwischen null und zwei Prozent. Deutlich höhere Zinssätze sind für Unternehmen die Regel.
Im Vergleich zum Kupon gibt die Rendite den Ertrag einer Anleihe wieder
Wichtiges Merkmal einer Anleihe ist die Fälligkeit, der Zeitpunkt für die Rückzahlung der aufgenommen Summe an die Anleger. Verzinst wird das Kapital mit einem festgelegten Satz, auch Kupon genannt, den der Emittent während der Laufzeit jährlich an den Käufer zahlt. Variabel verzinsliche Anleihen sind allerdings möglich. Hier erfolgt eine regelmäßige Anpassung des Zinssatzes an einen vorher ausgewählten Referenzwert.
Während der Laufzeit kommt es zu Abweichungen zwischen dem Kupon und dem jeweils aktuellen Marktzins. Dieser Unterschied wird zeitgleich über den Kurs ausgeglichen. Wenn demnach der Kupon höher liegt als der Marktzins, steigt der Kurs der Anleihe über den späteren Rückzahlungswert von hundert Prozent und gleicht so die Zinsdifferenz wieder aus. Im Vergleich zum Kupon gibt die Rendite den möglichen Ertrag einer Anleihe wieder. Sie steigt und fällt gleichgerichtet mit dem Marktzins. Auf Basis des inversen Zusammenhangs zwischen Marktzins und Kurs einer Anleihe können Anleger auf Kursgewinne spekulieren. Wird eine Anleihe bis zur Fälligkeit gehalten, kann das Kursrisiko durch Marktzinsänderungen außer Acht gelassen werden.
Wichtig für eine gute Handelbarkeit einer Anleihe sind ein hohes Emissionsvolumen sowie enge Spannen zwischen Kauf- und Verkaufsangeboten an der Börse. Ordergebühren und Stückelung können vor dem Anleihekauf bei den Banken beziehungsweise Brokern recherchiert werden. Um Marktzinsänderungs- und damit Kursrisiken aus dem Weg zu gehen, sollte eine Anleihe gezielt mit einer passenden Laufzeit gewählt werden. Das Risiko von Verlusten durch Zahlungsausfall lässt sich verringern, indem das Rating, Nachrichten und Geschäftsberichte des Emittenten recherchiert werden.