Eine Frau überprüft auf ihrem Smartphone den Bitcoin-Kurs auf einer digitalen Börse; Prognose zur zukünftigen Kursentwicklung der Kryptowährung.

Finance 4.0

Hoch im Kurs

Egal, ob Robo-Advisor, Banking-App oder Online-Broker: Digitale Angebote finden auch in der Finanzbranche immer stärkeren Zulauf. Zu den Gründen dafür gehören die geringen Kosten und die einfache Bedienung. In wenigen Jahren könnte die Branche mit dem Auftreten von KI-Agenten vor dem nächsten Umbruch stehen.

JB
· 2025
Erschienen in

Wohin mit dem Geld?

am 9. Juli 2025 in „Handelsblatt“
Vieles, was wir rund um das tägliche Börsengeschehen erleben, ist paradox. Dazu gehört auch, dass es oft schmerzhafter ist, sich der entgangenen Gewinne bewusst zu werden, als tatsächlich real einen Verlust zu erleiden. Das ist wohl auch der Grund dafür, dass selbst in guten...

Früher musste man für den Kauf von Aktien noch die Bankfiliale besuchen. Heute reichen wenige Klicks auf dem Smartphone, und schon ist man Anleger. Dieser Wandel zeigt sich auch in den Zahlen: Millionen Deutsche haben in den letzten Jahren ein Depot bei einem digitalen Broker eröffnet. Der „Online Brokerage Monitor“ von Kantar prognostiziert, dass bald der Punkt erreicht sein wird, an dem die Mehrheit der deutschen Anleger online handelt. Auch bei der Marktstruktur spiegelt sich die Dominanz der digitalen Broker wider. So sind diese Online-Plattformen bei unter 50-jährigen Anlegern bereits führend in der Nutzung.

Finance 4.0: Chancen und Risiken

Dies kann kaum überraschen, denn die bequemen Investmentlösungen per Trading-App oder Online-Plattform sind schnell, günstig und flexibel. Häufig locken die digitalen Angebote etwa mit null Euro Depotgebühren und der Möglichkeit, rund um die Uhr auf eine breite Auswahl von Finanzprodukten zuzugreifen – vom ETF über den Kauf einzelner Aktien bis zur Kryptowährung. Doch es gibt auch Risiken, insbesondere für unerfahrene Anleger. Dazu zählen eingeschränkte Handelsmöglichkeiten, mangelnde Beratung oder die Gefahr von überstürzten Entscheidungen aufgrund der einfachen Handhabung.

Vertrauen bleibt zentral

Der digitale Weg entwickelt sich rasant weiter mit weitreichenden Folgen für die Finanzbranche. So wird die Hyperpersonalisierung zu einem großen Trend, der das Kundenerlebnis auf ein neues Niveau heben soll. Künstliche Intelligenz analysiert dann das Verhalten der Nutzer und liefert passgenaue Tipps in Echtzeit, etwa wie Sparziele einfacher erreicht oder Ausgaben gesenkt werden können. Insbesondere zur Bindung jüngerer Kundengruppen müssen Online-Finanzdienstleister entsprechende Kundenerlebnisse entwickeln. Langfristig wird KI auch als digitaler Finanzagent agieren und Entscheidungen im Sinne des Kunden treffen. Erste Systeme dafür gibt es schon. Vertrauen bleibt auch bei diesen neuartigen Interaktionen ein wichtiger Faktor: Wer sensible Daten verwaltet und kritische Entscheidungen unterstützt, muss auf Transparenz, Datenschutz und Zuverlässigkeit setzen. Nur so lässt sich das Vertrauen der Kunden auch in Zukunft gewinnen und halten.

 

Hyperpersonalisierung soll das Kundenerlebnis auf ein neues Niveau heben.

Schon gewusst

96 Prozent der Banken investieren in Online- und 95 Prozent in Mobile-Banking.

Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle KPMG-Studie. Chatbots, Automatisierung und Cybersecurity stehen demnach ebenfalls hoch im Kurs. Generative KI wird dabei vorrangig für Betrugsprävention und Sicherheit getestet. 85 Prozent der Banken haben Pilotprojekte, aber nur wenige setzen KI direkt im Kundendialog ein. Sorge bereitet der missbräuchliche oder böswillige Einsatz von künstlicher Intelligenz: 70 Prozent erhöhen deshalb ihre Cyberbudgets. Bremsfaktoren der Digitalisierung sind Datenschutzauflagen, schlechte Datenqualität und veraltete IT-Systeme. Klar ist: Die digitale Transformation entscheidet über die Zukunftsfähigkeit der Institute.