Brand- und Wasserschäden, Arbeitsausfälle oder unvorhergesehene Betriebsschließungen: Wenn es im Geschäftsbetrieb zu unplanmäßigen Vorfällen kommt, müssen sich Betriebe und Selbstständige auf finanzielle Einbußen einstellen. Gewerbeversicherungen fangen viele dieser Einbußen auf. Dabei gibt es einige Policen, die jeder Gewerbetreibende unbedingt haben sollte. Andere hingegen sind je nach Branche und Betriebsgröße entbehrlich. Zu den klassischen Gewerbeversicherungen zählen die Betriebshaftpflichtversicherung, die Inhaltsversicherung, die Geräte und Einrichtungsgegenstände beispielsweise gegen Feuer, Hagel, Wasserschäden und Einbruch absichert, die Ertragsschutzversicherung sowie Glas- und Elektronikversicherungen. Sinnvoll ist zudem der Abschluss einer Rechtsschutzversicherung sowie einer Werkverkehrsversicherung.
Risikoanalysen immer komplexer
Eine Gewerbe-Gebäudeversicherung wiederum deckt Schäden am Bauwerk ab. Und in der digitalisierten Welt sorgen Cybersicherheitspolicen dafür, dass Unternehmer im Fall von Hackerangriffen und Datenklau abgesichert sind. Experten raten zu einem Grundschutz, der mit Haftpflicht-, Inhalts- und Gebäudeversicherung abgedeckt ist. Welche Versicherungen darüber hinaus Sinn machen, können Versicherungsberater vorab mit einer sogenannten Risikoanalyse klären.
Diese Risikoanalysen werden in Zeiten von Klimawandel, Digitalisierung und dem vermehrten Einsatz von künstlicher Intelligenz immer komplexer: Bei vielen Unternehmen dominieren daher aktuell die Themen Betriebsunterbrechungen, Naturkatastrophen und Extremwetterereignisse oder Cybervorkommnisse. Hinzu kommen steigende Kosten im Falle eines Schadens, die in die Ermittlung der Versicherungsprämie und der möglichen Selbstbeteiligung im Schadensfall einfließen. So gehen derzeit nicht nur Rohstoff- und Baupreise massiv nach oben, auch die Kosten für Reparaturen, Gutachter und Anwälte nehmen zu. Faktoren, die neben den individuellen Aspekten eine wichtige Rolle bei der Kalkulation spielen.
Gewerbeversicherung: Versicherungsbranche unter Druck
Viele Gewerbe- und Industrieunternehmen beklagen derzeit aber nicht nur steigende Prämien, sondern auch, dass sie überhaupt keinen ausreichenden Versicherungsschutz mehr erhalten. Dass die Anzahl der Unversicherten insbesondere bei Kleinst- und mittleren Unternehmen zunimmt, zeigt auch eine Umfrage des Bundesverbands Deutscher Versicherungsmakler (BDVM), die von den Versicherungsforen Leipzig durchgeführt wurde. Kapazitätsengpässe gebe es vor allem in den Branchen Abfallwirtschaft, Rohstoffhandel und Logistik – und das bei eigentlich elementaren Policen gegen Feuer, Betriebsunterbrechungen und Naturgefahren. Grund seien zum einen die erwähnten verschärften Risikoselektionen durch die Versicherer. Aber auch der Personalabbau bei Versicherern könnte für die Engpässe verantwortlich sein. Statt den direkten Kontakt zu lokalen Ansprechpartnern erhalten Unternehmer heute bei Nachfragen Infos von Call-Center-Mitarbeitern oder müssen lange Termin-Wartezeiten in Kauf nehmen. Beides sorgt oftmals für Verzögerungen bei der Vermittlung zwischen Gewerbetreibendem und dem Versicherer. Erstere hoffen zudem auf flexiblere und individuellere Lösungen für ihre Unternehmen.
Haftpflichtversicherungen am gefragtesten
Trotz aller wirtschaftlichen Unsicherheiten: 37 Prozent der Unternehmer planen, in den kommenden zwölf Monaten mehr Geld für Versicherungen auszugeben, um ihr Geschäft besser abzusichern. Verzichten können Unternehmen auf die Versicherungen ohnehin nicht. Insbesondere die Betriebshaftpflichtversicherung ist elementar für nahezu alle Branchen – von der Gastronomie bis zum Dachdecker-Handwerk. Das zeigt auch die Zahl der in diesem Bereich abgeschlossenen Versicherungsverträge in 2024: So war die Betriebshaftpflichtversicherung laut einer Auswertung der Plattform Finanzchef24 im ersten Quartal des vergangenen Jahres mit fast 60 Prozent aller abgeschlossenen Gewerbeversicherungen über alle Branchen hinweg die gefragteste. Am häufigsten wird sie laut dem Report von Hausmeistern und Gebäudereinigern, Onlinehändlern, Bauunternehmen sowie Kosmetikern, Fitnesstrainern und Fußpflegern angefragt. Die meisten Vertragsabschlüsse, rund 22 Prozent, entfallen demnach auf das Handwerk und produzierendes Gewerbe, gefolgt von Lifestyle- und Heilberufen mit 19 Prozent. Im Baugewerbe (17 Prozent) und in der Beauty- und Wellnessbranche (11 Prozent) sichern sich ebenfalls viele Gewerbetreibende mit einer Haftpflichtversicherung ab.
Fast genauso gefragt bei kleinen und mittleren Unternehmen sowie Freiberuflern ist die Vermögensschadenshaftpflicht. Sie wird vorrangig von Rechtsanwälten, Maklern und Architekten in Anspruch genommen. Auf dem dritten Platz landete die Geschäftsinhaltversicherung, die im Handel sowie im Gastronomie- und Hotelgewerbe gefragt ist. Aber auch Fotografen interessieren sich für eine Absicherung ihrer Ausrüstung mit der Police.
Auf Aktualität prüfen
Um unnötige Ausgaben zu vermeiden, sollten Unternehmer und Selbstständige beim Vertragsabschluss eine ausreichende Versicherungssumme einplanen – möglichst so hoch angesetzt, dass sie auch größere Schadenersatzforderungen abdecken kann. Zudem sollten Unternehmen, vor allem die, die wachsen oder sich verkleinert haben, jährlich ihren Versicherungsschutz überprüfen und an den veränderten Bedarf anpassen. Unternehmern, die ihre Policen vor Jahren oder gar Jahrzehnten abgeschlossen haben, raten Experten ebenfalls dazu, ihren Versicherungsschutz auf Aktualität überprüfen und bei Bedarf entsprechend ändern zu lassen.