Rekorde an den Börsen

Jahresendrally

Rückenwind oder KI-Blase?

Rekorde an den Börsen, aber spürbare Nervosität: Investoren fragen sich, ob die typische Jahresendrally noch zündet, wie der Start ins neue Jahr ausfällt oder ob die seit Monaten beschworene Korrektur doch noch durchschlägt. Zusätzlich sorgt der starke Euro schon länger für Gegenwind in vielen Depots.

JB
· 2025
Erschienen in

2026 – Wohin mit dem Geld?

am 11. Dezember 2025 in „Handelsblatt“
Wohin mit dem Geld? Diese Frage stellt sich heute drängender denn je: Die Zinsen sind zurück, kommen aber nur selten über die Inflationsrate hinweg. Aktien und ETFs versprechen attraktivere Renditen, doch die Märkte schwanken, politische Schlagzeilen lösen Kurssprünge...

Nach dem zoll- und politikgetriebenen Rücksetzer im Frühjahr haben sich die Leitindizes wieder nach oben gearbeitet. Anfang Oktober notierten sowohl US- als auch europäische Märkte nahe Allzeithochs; der S&P 500 lag im Herbst klar im Plus, ebenso der STOXX Europe 600. Zentraler Treiber sind fallende Zinsen beziehungsweise die Erwartung weiterer Zinssenkungen seitens der US-Notenbank FED, was Risikoanlagen stützen könnte. Gleichzeitig hat sich die Rally stark auf wenige KI-Schwergewichte konzentriert, ein Risiko, das große Finanzhäuser explizit nennen. BlackRock betont etwa im „2025 Q4 Investment Outlook“ zwar Chancen jenseits der Tech-Leader, warnt aber vor steigenden Konzentrationsrisiken in den US-Indizes. So ist eine Jahresendrally gut möglich, aber sie steht 2025 auf einem schmaleren Fundament, als die Rekordstände suggerieren.

Währungseffekt mindert Gewinn

Viele deutsche Anleger erleben 2025 dagegen eine paradoxe Situation: Die Charts globaler Indizes sehen stark aus, das eigene Depot wirkt aber deutlich verhaltener. Ein zentraler Grund dafür ist der Wechselkurs. Der Euro hat sich seit Jahresbeginn bis in den Herbst hinein gegenüber dem Dollar um mehr als zehn Prozent aufgewertet. Für Euro-Investoren bedeutet das: Ein Nasdaq- oder S&P-Plus in Dollar kann in Euro nur halb so beeindruckend sein oder zeitweise sogar verschwinden. Der Währungseffekt ist damit 2025 ein stiller Performance-Killer und erklärt, warum viele Depots hinter dem Eindruck der Weltbörsen zurückbleiben.

Jahresendrally: Clever navigieren

Für die kommenden Monate spricht vieles dafür, investiert zu bleiben, allerdings mit klarem Blick auf die Risiken. Das heißt: die Aktienquote nicht hektisch reduzieren, sondern breiter diversifizieren. Gerade europäische Titel wirken im Vergleich zu den US-amerikanischen weiterhin moderater bewertet und bieten damit Puffer nach unten wie Spielraum nach oben. Entscheidend ist zudem, Volatilität als normalen Begleiter zu akzeptieren, statt vor ihr zu kapitulieren. Wer diszipliniert auf Qualitätsunternehmen, nachvollziehbare Bewertungen und eine kleine Liquiditätsreserve setzt, dürfte sowohl von einer späten Jahresendrally profitieren als auch einen ruppigen Jahreswechsel gelassen überstehen.

 

Eine Jahresendrally ist möglich, aber sie steht auf schmalem Fundament.

Jeder Sechste setzt auf Aktien

Die Zahl der Aktionäre in Deutschland ist im vergangenen Jahr zum zweiten Mal in Folge leicht gesunken. Nach Zahlen des Deutschen Aktieninstituts (DAI) waren zuletzt rund 12,1 Millionen Menschen in Aktien, Aktienfonds oder ETFs investiert, das entspricht etwa jedem Sechsten ab 14 Jahren. Im Rekordjahr 2022 gab es in Deutschland dagegen fast 12,9 Millionen Aktionäre. Grund für den Rückgang sind unter anderem die unsichere wirtschaftliche Lage und höhere Sparzinsen, die andere Anlagen attraktiver machen. Dennoch bleibt die Aktienkultur in Deutschland stark, vor allem ETFs erfreuen sich wachsender Beliebtheit.

Quellen: