Zwei zusammenarbeitende Geschäftsfrauen, wobei die eine ein Tablett mit Diagrammen hält und die andere Geschäftspapiere

Multi-Asset

Die Mischung macht’s

Wenn Aktienmärkte stark von wenigen Technologiewerten abhängen, Anleihen wieder Zinsen liefern und geopolitische Schocks die Kurse bewegen, gewinnt Streuung neue Bedeutung. Breit aufgestellte Portfolios verbinden verschiedene Anlageklassen in einem Konzept. Ihr Ziel: Renditechancen nutzen, Risiken verteilen und nicht vom perfekten Timing einzelner Märkte abhängig sein.

JB
· 2026
Erschienen in

Wohin mit dem Geld?

am 9. Juli 2026 in „Handelsblatt“
Am Aktienmarkt stellt sich die Frage einer KI-Blase. Die Renditen werden von der wieder anziehenden Inflation aufgefressen. Gold und andere Edelmetalle notieren auf Höchstständen. Und auch vermietete Immobilien sind längst nicht mehr so einträglich, wie alteingesessene Investoren...

Das Thema Multi-Asset gewinnt weiter an Gewicht. Dies zeigen aktuelle Zahlen des Bundesverbands Investment und Asset Management. Demnach verwalteten die Fondsgesellschaften für Anleger in Deutschland Ende März 2026 insgesamt 4.855 Milliarden Euro, 24 Prozent mehr als drei Jahre zuvor. Offenen Publikumsfonds flossen im ersten Quartal 33,6 Milliarden Euro zu, der beste Jahresstart seit Beginn der Statistik. Aktienfonds erhielten 19,4 Milliarden Euro, Rentenfonds 7,7 Milliarden Euro und Geldmarktfonds 5,1 Milliarden Euro. Für Multi-Asset-Produkte bleibt das Umfeld dennoch anspruchsvoll: Anleger können sich Zins-, Aktien- und Geldmarktbausteine heute leichter selbst zusammenstellen. Der Mehrwert einer gemischten Strategie muss deshalb klar erkennbar sein. Morningstar beschreibt für Großbritannien und Europa einen Markt im Umbruch: niedrigere Kosten, mehr passive Fondslösungen, stärkere ETF-Nutzung und wachsender Druck auf teure aktive Konzepte. 

Renaissance des Anlagemixes

Multi-Asset bleibt attraktiv, aber Bequemlichkeit allein reicht nicht mehr. Die einfache Zweiteilung in Aktien und Anleihen trägt nicht mehr durch jede Marktphase. Zwar haben Rentenpapiere durch höhere Renditen wieder eine wichtigere Stabilisierungsfunktion. Gleichzeitig bleiben Inflation, politische Unsicherheit, Währungsschwankungen und die hohe Konzentration in US-Aktienindizes zentrale Risiken. Genau hier setzen Multi-Asset-Strategien an: Sie kombinieren Aktien, Staats- und Unternehmensanleihen, Geldmarktbausteine, Rohstoffe, Gold, Infrastruktur, Immobilien, Währungen oder alternative Strategien. Für Anleger sind klassische Mischfonds, Dachfonds, vermögensverwaltende Fonds, Multi-Asset-ETFs und Lebenszyklusprodukte die wichtigsten Zugänge. Anbieter können dabei Quoten flexibel verändern, Laufzeiten steuern, Risiken absichern oder Erträge aus unterschiedlichen Quellen bündeln. Damit entsteht ein Produkt, das nicht auf eine einzelne Marktmeinung setzt, sondern mehrere Szenarien gleichzeitig abdeckt.

 

Der eigentliche Charme liegt in der Risikostreuung.

Risikopuffer mit Regeln

Der eigentliche Charme liegt in der Risikosteuerung. In guten Phasen kann ein Multi-Asset-Portfolio an Aktien, Hochzinsanleihen oder Rohstoffen partizipieren; in schwächeren Phasen sollen Liquidität, hochwertige Anleihen, Gold oder defensive Strategien Verluste begrenzen. Entscheidend ist das Zusammenspiel: Rebalancing nimmt Gewinne aus stark gelaufenen Segmenten teilweise mit und erhöht Positionen, die günstiger geworden sind. J.P. Morgan bleibt in den Global Asset Allocation Views aktuell moderat risikofreudig, verweist aber zugleich auf steilere Zinskurven und kürzere Laufzeiten bei festverzinslichen Wertpapieren. Das passt zu einem aktiven Multi-Asset-Ansatz: Chancen nutzen, aber nicht blind Risiko aufbauen. Black-Rock betont in den Investment Directions 2026 ebenfalls, dass Portfolios angesichts höherer Inflation, unsicherer Zinssenkungen und KI-getriebener Marktkonzentration breiter aufgestellt werden sollten. Multi-Asset bedeutet damit nicht maximale Sicherheit, sondern disziplinierte Anpassung.

Multi-Asset: Auswahl entscheidet

Für erfahrene Anleger ist wichtig, was im Produkt wirklich steckt. Manche Fonds sind im Kern klassische Aktien-Renten-Mischungen mit hohen Kosten. Andere arbeiten regelbasiert, setzen ETFs ein oder ergänzen systematische Trendfolge, Rohstoffe, Infrastruktur und alternative Einkommensquellen. Die Unterschiede sind groß. Teure taktische Strategien müssen erst beweisen, dass sie nach Gebühren Mehrwert liefern. Kostengünstige Lösungen können dagegen als Basisinvestment dienen, wenn Allokation, Risikoprofil und Transparenz stimmen. Auch Alternativen bleiben interessant: Infrastruktur, Private Debt oder Immobilien können Ertragsquellen verbreitern, sind aber weniger liquide und schwieriger zu bewerten. Multi-Asset eignet sich deshalb vor allem für Anleger, die langfristig investieren, Schwankungen begrenzen und dennoch Renditechancen behalten wollen. Wer täglich handeln möchte, braucht es kaum. Wer aber ein breit gesteuertes Kerninvestment sucht, findet aktuell gute Argumente für diesen Anlageweg.

Nischenprodukt mit Stammkundschaft

Multi-Asset-ETFs, die Aktien und Anleihen in einem Produkt bündeln, führen am Markt noch ein Nischendasein. Bei Privatanlegern sind sie dennoch erstaunlich präsent. Einer Umfrage des Branchenportals extraETF und des ETF-Anbieters BlackRock unter rund 1.600 Nutzern zufolge kennen sich knapp 78 Prozent mit dieser Fondskategorie aus. Fast 40 Prozent sind bereits investiert, weitere 32 Prozent erwägen den Einstieg, nur 28 Prozent schließen ihn aus. Wer solche Portfolio-ETFs hält, setzt meist auf eine Einmalanlage (40 Prozent), während jeweils gut 30 Prozent einen Sparplan oder beide Varianten kombinieren.

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