Multi-Asset-Fonds erleben 2025 eine stille Renaissance. Die Anlagevehikel mischen unterschiedliche Anlageklassen aktiv zusammen, um Rendite und Stabilität auszubalancieren sowie die Abhängigkeit zu senken. Für Privatanleger dominieren klassische Misch- und Dachfonds mit flexibler Aktienquote, zunehmend ergänzt durch Multi-Asset-ETFs und Ziel- beziehungsweise Lebenszyklusfonds.
Verwaltetes Vermögen nimmt zu
Dahinter steht ein wachsender Markt: Das von den Fondsgesellschaften verwaltete Vermögen für Anleger in Deutschland erreichte bis Ende September 2025 mit 4.756 Milliarden Euro eine neue Höchstmarke. Im Vergleich zum Jahresbeginn (4.472 Milliarden Euro) ist es um mehr als sechs Prozent gewachsen. Der größte Teil entfällt dabei mit 2.253 Milliarden Euro auf offene Spezialfonds für institutionelle Anleger. Hierzu gehören vor allem Altersvorsorgeeinrichtungen (801 Milliarden Euro) und Versicherer (534 Milliarden Euro). In offenen Publikumsfonds verwalten die Fondsgesellschaften mittlerweile 1.782 Milliarden Euro, in Mandaten 657 Milliarden Euro und in geschlossenen Fonds 63 Milliarden Euro. Beim verwalteten Vermögen der Publikumsfonds liegen Aktienfonds mit 887 Milliarden Euro deutlich vorn. Die verwalteten Vermögen offener Mischfonds lagen dagegen Ende September 2025 mit weitem Abstand nur bei 377,5 Milliarden Euro; im laufenden Jahr flossen ihnen bis dahin netto 2,8 Milliarden Euro zu nach Abflüssen im Jahr 2024.
Risiko breit streuen
Der Charme von Multi-Asset-Strategien liegt in der aktuellen Situation gerade in der Anpassungsfähigkeit. Seit dem Inflationsschub 2022 ist die alte Logik „Aktien rauf, Anleihen stabilisieren“ weniger verlässlich. Genau hier helfen Multi-Asset-Manager, die Laufzeit, das Kreditrisiko und Aktiengewicht dynamisch zu justieren oder alternative Ertragsquellen einzubauen. Ein weiterer Pluspunkt: Das Rebalancing, also Gewinne in starken Segmenten mitnehmen und in schwächere umschichten, passiert automatisch im Produkt. In einer Welt mit hochkonzentrierten US-Indizes und geopolitischen Schocks ist dieser Mechanismus für viele Profis ein Risikopuffer. Für Anleger bedeutet das: Multi Asset kann als Kerninvestment dienen, wenn man nicht permanent selbst steuern will.
Timing beachten
Klar muss aber dennoch sein: Auch eine Multi-Asset-Anlagestrategie ist kein Freifahrtschein für ein stabiles Portfolio in unruhigen Zeiten. So kosten aktive Allokationsentscheidungen Geld, und die Gebühren machen sich ebenfalls langfristig bemerkbar. Morningstar etwa betont in seinem Multi-Asset-Trendreport 2025, dass viele Multi-Asset-Fonds nach Kosten ihre Kategorie-Benchmarks nicht schlagen, sondern viele Fonds ihre Vergleichsindizes nach Kosten verfehlt haben. Besonders schwach schneiden oftmals teure, taktische Strategien ab, während kostengünstigere, eher regelbasierte Konzepte deutlich näher am Index bleiben. Für Anleger bedeutet das: Die Wahl des konkreten Produkts entscheidet maßgeblich darüber, ob Multi Asset wirklich Mehrwert liefert oder nur eine bequem verpackte Indexkopie bleibt. Darüber hinaus kann die Flexibilität zum Risiko werden: Wer zu spät auf defensiv umstellt oder zu früh wieder auf mehr Risiko setzt, liefert im schlechtesten Moment unterdurchschnittliche Rendite. Nicht zuletzt ist Multi Asset stark abhängig vom Regime. Funktioniert Diversifikation zwischen Aktien und Anleihen nicht, zum Beispiel bei gleichzeitigen Kursverlusten beider Anlageklassen, müssen Alternativen wirklich tragen, sonst bleibt ein Teil der möglichen Rendite auf der Strecke.
Neue Rezepturen
Auch die Vermögensverwalter von BlackRock warnen in ihrem Bericht „2025 Fall Investment Directions“ im Prinzip davor, Multi-Asset-Lösungen als bequemen Parkplatz misszuverstehen. Die Strategen haben in diesem Zusammenhang beobachtet, dass das klassische 60-zu-40-Portfolio aus Aktien und Anleihen im aktuellen Umfeld unter Druck steht. Ihre Antwort darauf ist ein breiterer Mix aus internationalen Aktien, kurz laufenden Credits, alternativen Einkommensstrategien sowie gezielten Beimischungen wie Gold oder in kleinen Dosen auch digitale Assets, um Portfolios widerstandsfähiger zu machen.
Ausblick 2026
Viele große Häuser sehen Multi Asset auch für das kommende Jahr gut positioniert. In ihrem Bericht „Outlook 2026 – Promise and Pressure“ erwartet J.P. Morgan etwa, dass ausgewogene Multi-Asset-Portfolios solide Renditen erzielen können, gestützt von moderatem Wachstum, beherrschbarer Inflation und vorsichtigen Zinssenkungen der Notenbanken. Ähnlich argumentiert Fidelity International in ihrem globalen Asset-Allocation-Ausblick: Entscheidend seien breit gestreute Allokationen über Regionen, Anlageklassen und Stilfaktoren hinweg, kombiniert mit einem klaren Fokus auf laufende Erträge. Einkommensorientierte Strategien mit hoher Diversifikation gelten dort als robuster Kernbaustein, während Satellitenpositionen in Aktien, Rohstoffen oder Alternativen zusätzlichen Auftrieb liefern sollen. Für Privatanleger heißt das: Wer Multi Asset als langfristige Basis und nicht als Timingvehikel versteht, kann in einem solchen Umfeld überdurchschnittlich profitieren.