Grafik Chart mit Münzen

Nachhaltiges Investieren

Rendite mit Haltung

Kapital ist nie neutral. Wer investiert, entscheidet mit, welche Geschäftsmodelle wachsen und welche Risiken im Depot bleiben. Nachhaltige Strategien verbinden finanzielle Ziele mit dem Blick auf Klima, Ressourcen, faire Arbeitsbedingungen oder gute Unternehmensführung und machen Verantwortung zu einem Teil der Renditefrage.

JB
· 2026
Erschienen in

Wohin mit dem Geld?

am 9. Juli 2026 in „Handelsblatt“
Am Aktienmarkt stellt sich die Frage einer KI-Blase. Die Renditen werden von der wieder anziehenden Inflation aufgefressen. Gold und andere Edelmetalle notieren auf Höchstständen. Und auch vermietete Immobilien sind längst nicht mehr so einträglich, wie alteingesessene Investoren...

Nachhaltiges Investieren kann die Welt nicht allein verändern, aber Kapitalströme verschieben. Wie groß dieser Hebel geworden ist, zeigt die Marktstudie des Global Impact Investing Network: Das verwaltete Impact-Vermögen wuchs in den letzten sechs Jahren im Schnitt um 21 Prozent pro Jahr und hat längst die Billionen-Marke überschritten. Entscheidend ist dabei nicht das gute Gefühl im Depot, sondern ob Kapital Unternehmen stärkt, die reale Probleme lösen, und jene meidet, deren Geschäftsmodelle hohe ökologische oder soziale Folgekosten verursachen.

Begriffliche Grenzen 

Nicht jede nachhaltige Strategie verfolgt dabei übrigens dasselbe Ziel. ESG Investing bewertet Unternehmen nach Umwelt, Sozialem und Unternehmensführung. Dazu zählen etwa CO₂-Ausstoß, Arbeitsbedingungen, Lieferketten oder Aktionärsrechte. Impact Investing geht noch einen Schritt weiter: Hier soll neben einer finanziellen Rendite eine messbare positive Wirkung entstehen, etwa durch erneuerbare Energie, Bildung, Gesundheit oder Infrastruktur. Orientierung geben Standards wie die EU-Taxonomie oder die Offenlegungsverordnung SFDR. Typische Ausschlusskriterien betreffen Waffen, Kohle, Tabak, schwere Umweltverstöße, Menschenrechtsverletzungen, Korruption oder Verstöße gegen internationale Normen.

 

Das Thema Nachhaltigkeit ist schon lange keine Renditebremse mehr. 

Nachhaltiges Investieren: Werte mit Wirkung

Geeignet sind ESG- und Impact-Strategien für Anleger, die ihr Vermögen langfristig ausrichten und Risiken nicht nur in Bilanzen, sondern auch in Geschäftsmodellen erkennen wollen. Dass Nachhaltigkeit keine Renditebremse sein muss, zeigt eine Analyse von Morgan Stanley: Nachhaltige Fonds kamen Ende 2025 weltweit auf ein Rekordvolumen von 4,13 Billionen US-Dollar. In der zweiten Jahreshälfte lagen ihre mittleren Renditen mit 5,3 Prozent nur knapp unter klassischen Fonds, über längere Sicht schnitten sie in der Untersuchung sogar besser ab. Entscheidend bleibt die Auswahl. Nachhaltigkeit ist kein Qualitätsurteil, sondern ein zusätzlicher Filter. Wer Wirkung, Bewertung und Geschäftsmodell zusammendenkt, kann Haltung zeigen, ohne auf Renditechancen zu verzichten.

Trotz Gegenwind auf Kurs

Nachhaltigkeit mag aus den Schlagzeilen verschwunden sein – die Branche selbst bleibt dran. Das zeigt der aktuelle Marktbericht des Forums Nachhaltige Geldanlage: Demzufolge haben 29 Prozent der befragten Investmentmanager, Asset Owner und Banken ihre ESG-Produktangebote ausgebaut, nur ein Prozent hat es verkleinert. Zudem beabsichtigen 16 Prozent für die Zukunft eine Erweiterung. Auch bei den Nachhaltigkeitsrichtlinien zeigt sich Stabilität. Die Mehrheit hält das eigene Ambitionsniveau, und von denen, die es ändern, erhöhen fast 40 Prozent ihre Standards: Nur 13 Prozent senken sie. Es ist ein klares Signal, dass nachhaltiges Investieren längst Routine geworden und kein Trendthema mehr ist.