Der Markt für Krankenzusatzversicherungen boomt.
Der Markt für Krankenzusatzversicherungen boomt. iStock / witsarut sakorn

PKV

Wege durch den Beitragsdschungel

Steigende Zusatzbeiträge, wachsende Einnahmen bei der privaten Versicherung und mehr Zusatzpolicen: Auch in diesem Jahr steht das Krankenversicherungssystem im Zentrum der Aufmerksamkeit vieler Versicherter. Wer sich mit den speziellen Aspekten von GKV, PKV und Zusatzschutz auskennt, kann Leistungslücken schließen und langfristig sparen.

JB
· 2025
Erschienen in

Fokus Finanzen

am 15. Oktober 2025 in „Frankfurter Allgemeine Zeitung“
Wer investiert, beschäftigt sich mit Risiken: Börsennotierte Unternehmen und Fonds und Vermögensberater berichten regelmäßig darüber, was passieren kann. Und schon lange – so kommt es uns vor – lesen wir über die gleichen Klagen: Die Unsicherheiten der...

Die Kostenkurve der Krankenkassen zeigt steil nach oben. So liegt der durchschnittliche Zusatzbeitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) 2025 bei 2,5 Prozent, einzelne Kassen verlangen sogar bis zu 4,4 Prozent. Gleichzeitig wächst die private Krankenversicherung (PKV): Die Beitragseinnahmen sind im Jahr 2024 um 6,3 Prozent auf 51,7 Milliarden Euro gestiegen, davon 45,1 Milliarden Euro für Kranken- und 6,6 Milliarden Euro für Pflegepflichtversicherung. Auch der Markt für Zusatzpolicen boomt: 31,2 Millionen Verträge (plus 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr) sichern Leistungen, die die GKV nicht oder nur teilweise abdeckt. Besonders sinnvoll sind Zahnzusatz-, Krankenhauswahl-, ambulante Wahl- und Auslandsversicherungen. Sie lassen sich parallel zur GKV nutzen, damit gezielt Lücken bei Komfort, dentalen Leistungen oder Auslandsbehandlungen geschlossen werden können.

Unterschied bei Leistungen

Grundsätzlich ändert das aber nichts an der Grundstruktur des zweigliedrigen Systems. Die GKV funktioniert nach dem Solidarprinzip mit einkommensabhängigen Beiträgen und bietet mit der beitragsfreien Mitversicherung für Familienmitglieder, gleichbleibenden Belastungen bis zur Beitragsbemessungsgrenze oder planbaren Ausgaben ein hohes Maß an Sicherheit. Doch dafür ist auch der Leistungskatalog vorgeschrieben.

Im Gegensatz dazu punktet die PKV mit besseren Leistungen, Optionen wie Chefarztbehandlung oder Einbettzimmer, und sie baut mittels Alterungsrückstellungen gleichzeitig einen Schutz vor übermäßigen Beitragssteigerungen fürs Alter auf. Aber sie kann auch schnell teurer werden, insbesondere dann, wenn Gesundheitszustand und Alter beim Eintritt ungünstig sind.

PKV: Beitragserhöhung auch 2026 zu erwarten

Der Druck auf die GKV bleibt hoch. Experten erwarten, dass der Zusatzbeitrag auch 2026 steigen könnte. Parallel dazu wird auch für die PKV im kommenden Jahr mit Beitragserhöhungen gerechnet. Für Versicherte heißt das: Wer gut verdient, gesund ist und langfristig plant, kann mit der PKV bessere Leistungen sichern, sollte aber Rückstellungen für steigende Beiträge einkalkulieren. Für die breite Mehrheit bleibt die GKV die Basis, sinnvoll ergänzt durch kluge Zusatzpolicen.

 

Die Zahl der PKV-Vollversicherten ist erneut gestiegen.

Schon gewusst?

Trotz des anhaltend schwierigen wirtschaftlichen Umfelds bleibt die private Krankenversicherung (PKV) auf solidem Wachstumskurs. So stieg die Zahl der Versicherungen im Jahr 2024 um 1,36 Millionen auf insgesamt 39,9 Millionen. Fast jeder zweite Deutsche ist inzwischen privat krankenversichert.