Vermögensverwalter müssen sich auch auf die Bedürfnisse der jüngeren Generation einstellen.
Vermögensverwalter müssen sich auch auf die Bedürfnisse der jüngeren Generation einstellen. iStock / J. Wackerhausen

Vermögensverwaltung

Besser vorsorgen

Wenn Zinsen schwanken, Tech-Werte Achterbahn fahren und geopolitische Risiken zunehmen, wird es immer schwieriger, das Portfolio zu stabilisieren. Wer in diesem Spannungsfeld das Vermögen in professionelle Hände gibt, reduziert den Aufwand und muss nicht ständig über das Geschehen auf den Finanzmärkten informiert sein.

JB
· 2025
Erschienen in

2026 – Wohin mit dem Geld?

am 11. Dezember 2025 in „Handelsblatt“
Wohin mit dem Geld? Diese Frage stellt sich heute drängender denn je: Die Zinsen sind zurück, kommen aber nur selten über die Inflationsrate hinweg. Aktien und ETFs versprechen attraktivere Renditen, doch die Märkte schwanken, politische Schlagzeilen lösen Kurssprünge...

Vermögensverwalter sind die Architekten komplexer Depots: Sie definieren strategische Quoten für Aktien, Anleihen, Liquidität und Sachwerte, überwachen Risiken und justieren laufend nach. Rückenwind gibt es genug: In den Jahren 2024 und 2025 erlebte die Asset-Management-Branche ihr Comeback. Nach Berechnungen der Unternehmensberatung McKinsey stiegen die globalen „Assets under Management“ im Jahr 2024 um 15 Billionen US-Dollar auf 135 Billionen, das organische Wachstum lag bei 3,7 Prozent; bis Juni 2025 kletterten die verwalteten Vermögen weiter auf 147 Billionen US-Dollar. Gleichzeitig bleibt die Ertragssituation anspruchsvoll: Gebühren stehen unter Druck, Standardprodukte sind austauschbar, Kosten etwa für Technologie und Regulierung steigen. Für Anleger bedeutet das: Klassische „Mittelmaß-Produkte“ genügen nicht mehr. Vermögensverwaltung lohnt dort, wo Manager echten Mehrwert liefern – und zwar durch durchdachte Diversifikation, stringentes Risikomanagement und die Fähigkeit, unterschiedliche Bausteine zu einer stimmigen Gesamtstrategie zu verbinden.

Exklusive Alternativen nutzen

Wie dieser Mehrwert aussieht, zeigt der Blick auf die Portfolios vermögender Kunden. Der World Wealth Report 2025 des Beratungsunternehmens Capgemini weist aus, dass High Net Worth Individuals im Schnitt bereits 15 Prozent ihres Vermögens in alternativen Anlagen wie Private Equity, Immobilien oder mit anderen illiquiden Strategien halten. Family Offices gehen noch weiter: Laut dem Global Family Office Report 2024 der US-amerikanischen Großbank J.P. Morgan liegt die durchschnittliche Allokation sehr wohlhabender Familien oder Einzelpersonen in alternativen Investments bei mehr als 45 Prozent. Sie teilen sich auf in Private Equity (17,14 Prozent), Immobilien (14,47 Prozent), Hedgefonds (5,23 Prozent) und Venture Capital (4,85 Prozent) sowie private Kredite (4,02 Prozent). Interessant ist auch das Thema Rendite: Die Umfrage hat ergeben, dass Family Offices im Durchschnitt eine jährliche Portfoliorendite von elf Prozent anstreben. Der Zugang zu solch exklusiven Anlagemöglichkeiten erhöht also die Renditechancen spürbar. Solche Bausteine sind aber ohne professionellen Zugang und Due Diligence schwer umzusetzen. Hinzu kommen Steueroptimierung, Währungsmanagement und Nachhaltigkeitsvorgaben. Gute Vermögensverwalter übersetzen diese Wünsche in klare Mandate mit Risikobudgets, Reporting und definierten Entscheidungswegen. Sie denken in Szenarien statt in Einzeltiteln und justieren Allokationen je nach Zinsregime, Inflationsausblick und Liquiditätsbedarf. Für viele Anleger wäre dieser Aufwand allein kaum leistbar.

Vermögensverwaltung: Angebote neu denken

Parallel dazu verschiebt sich die Statik der Branche. Capgemini beziffert das globale Vermögen, das in den kommenden zwei Jahrzehnten auf die nächste Generation übergehen wird, auf 83,5 Billionen US-Dollar. Etwa 81 Prozent der Erben planen, ihren Vermögensverwalter binnen ein bis zwei Jahren nach der Erbschaft zu wechseln. Wer diese Kunden halten oder gewinnen will, muss deutlich moderner auftreten. 

Die von FNZ, ThoughtLab und Deloitte initiierte Studie „Building a Future-Ready Investment Firm“ zeigt: 68 Prozent der Anleger wünschen sich ein digitales Erlebnis auf dem Niveau großer Tech-Konzerne, bei den Generationen Y und Z sind es 74 Prozent. Stolze 60 Prozent erwarten bessere digitale Tools, um ihre Anlagen selbst im Blick zu behalten. Viele Häuser reagieren mit hybriden Modellen aus persönlicher Beratung, App-basierten Cockpits und KI-gestützter Analyse. Künstliche Intelligenz filtert Research-Ergebnisse, simuliert Stressszenarien oder hilft, Steuer- und Liquiditätseffekte zu optimieren. Entscheidend bleibt aber, dass Technologie nicht zum Selbstzweck wird, sondern die zentrale Aufgabe der Vermögensverwaltung unterstützt: langfristige Anlagestrategien zu entwickeln, die zur Lebenssituation des Kunden passen.

Die Nachfrage nach Asset-Management steigt derzeit kräftig an.
iStock / SmileStudioAP

Die Nachfrage nach Asset-Management steigt derzeit kräftig an.

 

Der Zugang zu exklusiven Anlagemöglichkeiten erhöht die Renditechancen.